Prof. Dr. phil. Dr. med. Dipl. Psych. Andreas Remmel



Therapie-Centrum Im Kurpark Bad Mergentheim

Borderline-Therapie

Menschen mit Schwierigkeiten in ihrer Persönlichkeitsentwicklung, und insbesondere Menschen mit Borderline-Störungen, fühlen sich oft innerlich zerrissen, leer und unter permanenter Hochspannung.
Es fällt ihnen schwer, ihre Gefühle zu erkennen, zu benennen und zu regulieren, ebenso haben sie Schwierigkeiten, ihr Verhalten und ihre Beziehungen zu anderen Menschen zu balancieren.

Es kommt gehäuft zu selbstschädigendem oder selbstverletzendem Verhalten (Ritzen, Schneiden), Essstörungen (Ess- und Brechattacken),
anderem Suchtverhalten (Alkohol-, Drogen-, Spielsucht, Internetsucht, Sexsucht), zu On-off-Beziehungen, zu suizidalen Krisen und Suizidversuchen. Ebenso entwickeln viele Betroffene Depressionen, starke Stimmungsschwankungen, Angstzustände, Misstrauen, bis hin zu psychosenahem Verhalten.

In ihrer biographischen Entwicklung haben viele Borderline-PatientInnen Erfahrungen von Beziehungs- und Bindungsunsicherheit und -abbrüchen, von Missachtung, Misshandlung oder Missbrauch, von Gewalt und Demütigung, gemacht.
Ein adäquater Umgang damit war zumeist nicht möglich, neurobiologische, psychische und soziale Entwicklungsprozesse wurden nachhaltig negativ beeinflusst, Erfahrungen sedimentierten im psychischen Erleben und in einer schwierigen Identitätsentwicklung.

Während man lange Zeit glaubte, Borderline-Störungen aufgrund ihrer Komplexität und frühen Prägungen nicht gut behandeln zu können, weiss man inzwischen, dass es durch allgemeine und spezifische psychotherapeutische Ansätze gut gelingen kann, zu einer Minderung der Symptome und Beschwerden und zu einer Balancierung und Neuorientierung im Leben zu kommen.

Aus meinen mehr als 20-jährigen Erfahrungen in der Diagnostik, Differentialdiagnostik und Behandlung von PatientInnen mit Borderline-Störungen hat sich ein phasenadaptiertes, integratives Vorgehen sehr bewährt.

1. Zunächst ist eine Stabilisierung im Alltag unumgänglich.

2. Zur ersten oder wiederholten Symptomkontrolle hat sich der Ansatz der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) und Schematherapie, 
    mit Wissensvermittlung, Einzeltherapie, Basisgruppen und Skillstraining, gut bewährt. 
    Ergänzt werden sollten psychotherapeutische Angebote im Bedarfsfalle durch eine gezielte und reflektierte pharmakotherapeutische 
    Behandlung.
    Ebenso wichtig ist eine soziotherapeutische Unterstützung.

3. Die Therapie sollte jedoch nicht bei einer Symptomkontrolle enden.
    Durch förderliche Beziehungserfahrungen in einer verlässlichen längerfristigen dialogischen Therapie können Patienten lernen,  eigene  
    schwierige Erlebens-, Verhaltens- und Beziehungsmuster zu erkennen, Hintergründe und Prägungen dafür zu verstehen und neue, 
    korrigierende Erfahrungen zu machen. 
    Dafür ist ein achtsamkeitsbasierter, bewusstseinsfördernder therapeutischer Zugang sehr hilfreich.
    Dabei geht es nicht nur um die Stärkung eigener kognitiver Fähigkeiten und sozialer Kompetenzen, sondern auch um ein verändertes 
    Körpererleben, eine veränderte Körper- und Beziehungsrepräsentation und eine Erweiterung der eigenen Emotionalität.

4. Da viele Betroffene sich in vielfältigen "Grenzerfahrungen" auch immer wieder mit ihrer eigenen Lebens- und Überlebensfähigkeit, mit 
    Kernfragmenten ihrer Persönlichkeit und ihren eigenen Ressourcen und Potentialen auseinandersetzen, können und sollten diese auch 
    für ihre persönliche Lebensbejahung und -gestaltung genutzt werden.
    Gerade eine existentiell orientierte, dialogische, kreativätsfördernde, behutsame körperorientierte Psychotherapie, die die Lebensbejahung, 
    die Kreativität, die Entfaltungs- und Gestaltungsmöglichkeiten von Menschen fördert, kann dafür in einer längerfristigen therapeutischen     
    Begleitung sehr hilfreich sein.